Ein Begehungsschein in Bayern öffnet Ihnen ein fremdes Revier, ohne Pachtvertrag, Abschussplan oder Wildschadenshaftung – vom Allgäu bis zum Bayerischen Wald. Hier finden Sie freie Jagderlaubnisse in Bayern.
Wer einen Begehungsschein in Bayern sucht, sucht in einem der jagdlich vielfältigsten Länder Deutschlands. Zwischen dem Hochgebirge im Süden, den Mittelgebirgen im Osten und Norden und dem intensiv bewirtschafteten Ackerland in Mittel- und Unterfranken liegen Wildarten, Reviergrößen und Preisniveaus so weit auseinander wie in kaum einem anderen Bundesland. Einen Begehungsschein Bayern-weit zu suchen bedeutet deshalb vor allem, die eigene Region ehrlich einzuordnen: Wer in der Nähe von München sucht, konkurriert mit vielen; wer im äußersten Nordosten Richtung tschechische Grenze sucht, findet andere Bedingungen vor, aber oft auch andere Reviere. Dieser Text ordnet die wichtigsten bayerischen Jagdlandschaften und zeigt, worauf es bei der Suche jeweils ankommt.
Oberbayern ist die Region mit dem größten Druck auf jede freie Jagdmöglichkeit. Rund um München, den Ammersee, Starnberger See und Chiemsee treffen kaufkräftige Nachfrage und begrenzte Fläche aufeinander, und viele Reviere sind seit Jahrzehnten in denselben Familien oder Jagdgesellschaften. Wer hier einen Begehungsschein sucht, sollte den Umkreis bewusst über die unmittelbare Stadtnähe hinaus ziehen – Richtung Alpenrand, ins Voralpenland um Bad Tölz und Miesbach oder ins Chiemgau, wo Reh- und zunehmend Gamswild im Hochgebirgsanteil jagdlich interessant sind. Wer ausschließlich im Landkreis München sucht, sucht im teuersten und am dichtesten besetzten Teil des Freistaats.
Niederbayern und der Bayerische Wald bilden das Gegenstück zu Oberbayern: großflächige, zusammenhängende Wald- und Grenzreviere mit Rot-, Reh- und Schwarzwild, dazu Luchs und wachsender Wolfsbestand als Randthema jeder Revierbegehung. Der Landkreis Regen und der Landkreis Passau liegen im Kernbereich des Bayerischen Waldes, der Landkreis Rottal-Inn im Übergang zum Hügelland Richtung Inn. Die Nachfrage ist geringer als im Süden, die Reviere sind größer, und wer bereit ist, für einen Begehungsschein weiter zu fahren als in die nächste Stadt, findet hier eher Anschluss als in Oberbayern. Grenznah, Richtung Tschechien, sinkt der Preisdruck zusätzlich.
Das Allgäu ist Hochgebirgs- und Voralpenrevier: steile Hanglagen, Gamswild neben Rehwild, Reviere, die stark nach Höhenlage und Erschließung variieren, und eine Nachfrage, die durch den Tourismus im Sommer zusätzlich auf die wenigen freien Flächen drückt. Im übrigen Schwaben, Richtung Donauried und ins württembergische Grenzgebiet, wird die Landschaft flacher und die Reviere größer – Niederwild und Feldjagd gewinnen dort an Bedeutung. Ein Begehungsschein im Allgäu selbst ist wegen der Geländeanforderungen kein Einstieg für jeden; wer Höhenluft und steiles Gelände nicht gewohnt ist, findet im schwäbischen Umland oft die zugänglichere Alternative.
Mittelfranken und die Fränkische Alb sind Übergangsland: Kalkmagerrasen, Wacholderheiden und dazwischen Wald mit Rehwild als Leitwildart, dazu wachsende Schwarzwildstrecken in den angrenzenden Feldfluren. Der Landkreis Ansbach schließt westlich an die Fränkische Alb an, auf der Frankenhöhe, und ist der flächengrößte Landkreis Bayerns – entsprechend verteilt sich das Angebot dort auf viele kleinere Reviere statt auf wenige große. Weiter nordwestlich, im Spessart und in der Rhön, dominiert Buchen- und Mischwald mit Rotwild im Spessart und einer im Vergleich ruhigeren Nachfrage, weil beide Mittelgebirge abseits der großen Ballungsräume liegen. Wer Wert auf Rotwildjagd legt, ohne die Preise Oberbayerns zu zahlen, findet im Spessart eher, was er sucht.
Der Oberpfälzer Wald, hart an der tschechischen Grenze, gehört zu den am dünnsten besiedelten Jagdlandschaften Bayerns – große, waldreiche Reviere mit Rot- und Schwarzwild, wenig Konkurrenz um freie Begehungsscheine und Preise, die deutlich unter denen Oberbayerns liegen. Oberfranken, um Bayreuth, Kulmbach und den Frankenwald, ist waldreicher als das übrige Franken und liegt preislich und von der Wilddichte her zwischen der Fränkischen Alb und dem Bayerischen Wald. Beide Regionen eignen sich für Jäger, die bereit sind, weiter zu fahren, dafür aber nicht Monate auf eine Antwort warten wollen.
Der größte Teil aller bayerischen Begehungsscheine wechselt den Inhaber, ohne je öffentlich ausgeschrieben zu werden. Bayerischer Jagdverband e.V. gliedert sich in Kreisgruppen, und über diese läuft ein guter Teil der Vermittlung, bevor irgendwo eine Anzeige erscheint – daneben die Hegegemeinschaft vor Ort und der Bekanntenkreis des bisherigen Jagdgastes. Wer nur auf Anzeigen wartet, sieht den kleineren Teil des Marktes. Ein sichtbares Gesuch mit Ort, Umkreis, Jagdscheinjahren und einem Satz dazu, wie oft Sie realistisch ins Revier kämen, erreicht auch Revierinhaber, die noch nicht aktiv jemanden suchen.
Bei der ersten Anfrage an einen Revierinhaber zählt weniger die Höhe des gebotenen Entgelts als die Konkretheit: Nennen Sie Jagdscheinjahre, bisherige Reviererfahrung, Ihre Bereitschaft zu Mithilfe und Hegearbeit, und fragen Sie nach den Bedingungen, statt nur nach der Verfügbarkeit. Rechnen Sie mit Wochen bis Monaten, nicht mit Tagen – die meisten Zusagen fallen im Spätwinter vor Beginn des neuen Jagdjahres am 1. April, wenn sich klärt, wer im Revier aufhört und wo ein Platz frei wird. Wer im Hochsommer anfragt, erreicht denselben Revierinhaber in seiner ruhigsten Phase, aber auch mit der geringsten Dringlichkeit.
Bundesweit: Alle Begehungsscheine in Deutschland.
Ausführlicher im Ratgeber: Die Hegebeitrags-Falle beim Begehungsschein · Begehungsschein: der Einstieg für Jungjäger