Jagdmöglichkeiten in Bayern gibt es auf drei Wegen: Begehungsschein, Jagdpacht und Eigenjagd. Welcher passt, hängt weniger am Budget als an der Zeit, die Sie wirklich im Revier verbringen wollen. Hier sehen Sie, was in Bayern gerade frei ist.
Bayern ist das größte deutsche Flächenland, und für die Jagd bedeutet das vor allem eines: Landschaften, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Hochgebirge im Süden, weite Agrarflächen in Niederbayern und Franken, ausgedehnte Mittelgebirgswälder im Osten und Westen – wer in Bayern eine Jagdgelegenheit sucht, sucht nicht ein Revier, sondern eine von mehreren sehr verschiedenen Jagdwelten. Das macht die Suche komplizierter, aber auch leichter zu steuern, sobald man weiß, wonach man eigentlich schaut.
Drei Wege führen ins bayerische Revier, und sie unterscheiden sich deutlich in Bindung und Verantwortung. Der Begehungsschein ist die schnellste und am wenigsten bindende Form: eine Jagderlaubnis für ein fremdes Revier, meist auf ein Jagdjahr befristet, ohne Verantwortung für Abschussplan oder Wildschaden. Die Jagdpacht bindet Sie dagegen gesetzlich – Art. 14 Abs. 2 Satz 1 BayJG schreibt für Bayern eine Mindestpachtzeit von neun Jahren bei Niederwild- und zwölf Jahren bei Hochwildrevieren vor, deutlich länger als anderswo üblich. Und die Eigenjagd ist Grundbesitz: Ab einer zusammenhängenden Fläche von rund 82 Hektar entsteht ein Eigenjagdrevier, in Hochgebirgslagen genügen bereits 300 Hektar. Für die meisten Einsteiger bleibt der Begehungsschein der naheliegendste Startpunkt, während Pacht und Eigenjagd eher etwas für Jägerinnen und Jäger sind, die schon wissen, wie viel Zeit sie tatsächlich investieren wollen.
Um München herum ist die Nachfrage nach Jagdgelegenheiten so hoch wie kaum anderswo in Bayern. Viele Reviere zwischen Chiemgau, Werdenfelser Land und Berchtesgadener Land liegen in Pendeldistanz zur Landeshauptstadt, und genau das macht sie begehrt – ein freies Revier oder ein Begehungsschein wechselt hier oft über den Hegering, bevor irgendwo eine Anzeige steht. Wer trotzdem eine Chance sucht, sollte sich auf Gebirgsjagd einstellen: Steillagen, Rehwild und Gamswild statt bequemer Kanzeln im Flachland, dafür auch Reviere, die zwei Autostunden von München entfernt liegen und spürbar weniger umkämpft sind.
Richtung Osten wird es ruhiger. Im Bayerischen Wald, mit seinen ausgedehnten Wäldern rund um den Landkreis Regen und den Landkreis Passau, dominiert Rot- und Schwarzwild, und die Reviere sind im Schnitt größer und weniger dicht gedrängt als im Alpenvorland. Auch der Landkreis Rottal-Inn mit seinem Wechsel aus Wald und offenem Feld bietet Neueinsteigern realistischere Chancen als das Umland von München – wer bereit ist, für den Ansitz eine Stunde weiter zu fahren, findet hier häufiger noch ein offenes Gesuch, auf das sich ein Revierinhaber tatsächlich meldet.
Das Allgäu ist eine eigene Welt: Gebirgsjagd auf Gams, Rehwild und in höheren Lagen auch Rotwild, mit Steiggelände, das Kondition verlangt und viele Interessenten von vornherein aussortiert. Wer dort mitjagen will, sollte das offen ansprechen, statt es zu verschweigen – ein Revierinhaber merkt schon bei der ersten Bergtour, ob jemand tatsächlich gebirgstauglich ist. Genau diese Hürde hält die Konkurrenz um Allgäuer Reviere kleiner, als die Beliebtheit der Region vermuten lässt.
Zwischen Nürnberg und der tschechischen Grenze liegen mit der Fränkischen Alb und dem Oberpfälzer Wald zwei der am wenigsten überlaufenen Jagdlandschaften Bayerns. Steinige Kuppen, Wacholderheiden und ausgedehnte Kiefern- und Fichtenwälder prägen das Bild, Rehwild und Schwarzwild sind die tragenden Wildarten. Von Nürnberg aus sind viele dieser Reviere in unter einer Stunde erreichbar, und gerade deshalb lohnt sich hier ein Blick, bevor man sich auf das dichter besiedelte Umland konzentriert.
Im Nordwesten Bayerns bilden Spessart und Rhön zusammenhängende Waldgebiete mit einem der höchsten Rotwildbestände des Landes – wer Rotwild bejagen möchte, ohne ins Hochgebirge zu fahren, findet hier eine der wenigen Alternativen. Die Rhön ist zudem offenes Grünland mit eigenem Charakter, geprägt von Basaltkuppen und Wind. Beide Regionen liegen abseits der großen bayerischen Ballungsräume, was sich in der Praxis häufig in kürzeren Wartezeiten für einen Begehungsschein niederschlägt.
Mittelfranken um den Landkreis Ansbach und weite Teile Unter- und Oberfrankens sind vor allem Feld- und Mischwaldreviere mit Rehwild, Niederwild und wachsendem Schwarzwildaufkommen in den Maisflächen. Schwaben im Westen des Landes verbindet flaches Ackerland im Norden mit den Ausläufern der Alpen im Süden und bietet dadurch eine ungewöhnliche Bandbreite an Revieren auf engem Raum. Wer bei der Wildart flexibel bleibt, findet in beiden Regionen regelmäßiger etwas als in den bekannten Hotspots rund um München.
Der größte Teil aller Begehungsscheine und ein guter Teil der Pachten in Bayern wechselt den Inhaber, ohne dass je etwas öffentlich ausgeschrieben wird. Der erste Kontakt läuft meist über den Hegering oder die örtliche Kreisgruppe, organisiert im Dachverband Bayerischer Jagdverband e.V. – wer sich dort zeigt und ein offenes Wort verliert, erfährt oft früher von einer freien Fläche als jede Anzeige es melden könnte.
Ein sichtbares Gesuch schlägt reines Suchen. Ort, ein realistischer Umkreis, Ihre Jagdscheinjahre und ein Satz dazu, wie oft Sie tatsächlich ins Revier kämen – das erreicht auch Revierinhaber, die noch gar nicht aktiv jemanden gesucht haben. Und setzen Sie den Radius großzügiger, als es sich zunächst anfühlt: Eine Stunde mehr Fahrtzeit erschließt in einem Land von Bayerns Größe regelmäßig mehr zusätzliche Reviere als jede weitere Verfeinerung der Suche – und macht aus einer aussichtslosen Suche im Speckgürtel eine, die tatsächlich zu etwas führt.
Bundesweit: Alle Jagdgelegenheiten in Deutschland.
Ausführlicher im Ratgeber: Begehungsschein: der Einstieg für Jungjäger · Wildschadensersatz: wofür Pächter haften