Wer eine Eigenjagd kauft, erwirbt das Jagdrecht mit dem Grund und Boden. Hier finden Sie Eigenjagdflächen und Jagdgrundstücke in Niedersachsen, von Waldbesitz im Harz bis zur Feldflur im Emsland.
Eine Eigenjagd zu kaufen heißt in Niedersachsen zunächst, Grundbesitz zu kaufen. Das Jagdrecht steht dem Eigentümer des Bodens zu und wird zum eigenen Jagdbezirk, sobald eine zusammenhängende Fläche in einer Hand groß genug ist, also ab einer bestimmten zusammenhängenden Mindestfläche, die das Landesjagdgesetz festlegt. Damit fällt weg, was ein Pachtrevier prägt: das Auslaufen des Vertrags, die Neuvergabe, die Abhängigkeit von Beschlüssen einer Jagdgenossenschaft. Es kommt aber alles hinzu, was Eigentum mit sich bringt, von der Grundsteuer über den Wegeunterhalt bis zur Pflicht, die Fläche tatsächlich zu bejagen. Niedersachsen ist dafür ein besonders vielfältiger Markt, weil zwischen Bergland und Küste sehr unterschiedliche Landschaften liegen: Bergmischwald, Buchenhochwald, Kiefernheide, Moor und weite Feldflur. Was Sie kaufen können und was es forstlich und jagdlich wert ist, unterscheidet sich von Region zu Region erheblich.
Der Harz ist das einzige Mittelgebirge Niedersachsens und die klassische Rotwildregion des Landes. Wer hier Wald kauft, kauft in der Regel Fichte oder das, was von ihr übrig ist: Trockenjahre und anschließender Borkenkäferbefall haben große Kalamitätsflächen hinterlassen, besonders in den Hochlagen um den Landkreis Goslar. Für Käufer heißt das zweierlei. Forstlich übernehmen Sie eine Wiederbewaldungsaufgabe über Jahrzehnte, mit Pflanzung, Kultursicherung und Schutz vor Verbiss. Jagdlich sind dieselben Flächen zunächst attraktiv, weil Freiflächen und dichte Naturverjüngung Deckung und Äsung bieten und das Rotwild gut steht. Der Verbissdruck auf die junge Kultur ist damit aber auch die zentrale Konfliktlinie zwischen Wald und Wild. Prüfen Sie Erschließung und Wegezustand genau: Steile Lagen ohne befestigten Zugang sind in Bewirtschaftung und Holzabfuhr deutlich teurer, und Nationalpark- sowie Naturschutzflächen in der Nachbarschaft bestimmen Ihre Möglichkeiten mit.
Die Lüneburger Heide ist ein Markt der leichten Böden: Sand, geringe Wasserhaltekraft, historisch Kiefer als tragende Baumart, dazwischen offene Heide und Wacholder. Die Ertragsleistung solcher Standorte ist niedriger als im Bergland, entsprechend anders fällt die forstliche Bewertung aus, und im Umbau von Kiefernreinbeständen zu Mischwald liegt hier die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Jagdlich finden Sie Rehwild, verbreitet Schwarzwild und in Teilen Rotwild, das in den großen Heideflächen weiträumig wandert. Rund um den Landkreis Uelzen gehen Heide und Wald in intensiv genutztes Ackerland über, was die Wildschadenslage verändert: Auf Mais und Kartoffeln entstehen Schäden schnell und in relevanter Höhe. Ein Blick auf die Schadensabrechnungen der Vorjahre ist hier so wichtig wie der Blick auf den Holzbestand.
Solling und Weserbergland stehen für das Gegenteil des Harzer Fichtenwaldes: Buchenhochwald auf besseren Böden, teils mit Eiche, in geschlossenen Beständen mit langer Bewirtschaftungstradition. Der Solling ist eines der bekanntesten Rotwildgebiete Nordwestdeutschlands, und Laubholz auf ordentlichem Standort ist forstlich wertvoll, reagiert aber empfindlich auf Verbiss und Schäle. Die Wilddichte ist damit unmittelbar eine Wertfrage und nicht nur eine jagdliche Vorliebe. Im Weserbergland wechseln Wald, Grünland und Ackerflächen kleinräumiger, und der Besitz ist stärker parzelliert. Eine ausreichend große zusammenhängende Fläche in einer Hand ist dort seltener und entstammt häufig historisch gewachsenem Gutsbesitz. Wo Flächen zugekauft werden müssen, entscheidet die Bereitschaft der Nachbarn über den Zuschnitt, und genau dieser Zuschnitt entscheidet über die Eigenjagdeigenschaft.
Im Emsland dominieren Feld und Moor. Der Landkreis Emsland ist landwirtschaftlich stark geprägt, mit Grünland, Mais und ehemaligen Hochmooren, von denen Teile heute unter Naturschutz stehen oder wiedervernässt werden. Wald tritt eher in kleineren Blöcken und als Kiefernforst auf Sandböden auf. Jagdlich ist das Niederwildland: Rehwild, Hase, Fasan und Wildenten, dazu Schwarzwild in den Maisregionen. Für Käufer ist das ein anderer Flächentyp als Waldbesitz im Bergland, denn der Wert hängt vor allem an der landwirtschaftlichen Bonität und an bestehenden Nutzungsverträgen. Auf Moor- und Naturschutzflächen gehören Auflagen zu Bewirtschaftung, Entwässerung und teils zur Bejagung in die Prüfung, bevor über den Preis gesprochen wird.
Das Wendland im Nordosten ist eine der am dünnsten besiedelten Landschaften Niedersachsens: kleine Dörfer, wenig Verkehr, große Wald- und Feldblöcke und im Osten die Elbtalaue mit Auwaldresten, Grünland und Deichvorland. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die Ruhe selbst ein Standortfaktor, der auf Wildverhalten und Bejagbarkeit durchschlägt. Rotwild, Schwarzwild und Rehwild sind vertreten, in der Aue kommen Wasserwild und ein hoher Anteil an Schutzgebietsflächen hinzu. Genau dort liegt die Einschränkung: Vogelschutz- und Naturschutzgebiete sowie der Hochwasserschutz können Bewirtschaftung, Wegebau und Bejagung auf Teilflächen begrenzen. Lassen Sie sich die Schutzgebietskulisse für jedes Flurstück zeigen, nicht nur für die Fläche im Ganzen.
Unabhängig von der Region entscheidet ein Wort über das, was Sie kaufen: zusammenhängend. Ob aus Ihren Flurstücken ein Eigenjagdbezirk wird, hängt am tatsächlichen Zuschnitt der Fläche und nicht an der Summe der Größen im Kaufvertrag. Welche Anforderungen dabei gelten, regelt das Landesjagdgesetz. Klären Sie außerdem Erschließung und Wegerechte, den Waldzustand samt Kalamitäts- und Wiederbewaldungsflächen, Abrundungsvereinbarungen mit angrenzenden Bezirken, die Wildschadenslage, Naturschutzauflagen sowie alle Rechte und Lasten im Grundbuch. Ein bestehender Jagdpachtvertrag geht mit dem Eigentum auf Sie über, und das kann bedeuten, dass Sie Ihre eigene Fläche zunächst nicht selbst bejagen.
Der Kauf läuft über Notar und Grundbuch wie jeder andere Grundstückserwerb, mit Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten als eigenen Positionen neben dem Kaufpreis. Wie hoch der Kaufpreis ist, steht im jeweiligen Angebot; getrieben oder gesenkt wird er von Bestockung und Holzvorrat, Bodenbonität, Erschließung, Wildarten und Schadenslage. Ziehen Sie vor der Unterschrift einen Forstsachverständigen hinzu und klären Sie die Finanzierung früh. Fachliche Informationen zu Revierpraxis und Hege in den einzelnen Regionen bietet die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., unabhängig vom Kaufprozess selbst.
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Ausführlicher im Ratgeber: Eigenjagd kaufen: Grunderwerbsteuer und Nebenkosten · Waldanteil und Forstwege: worauf zu achten ist