Jagdmöglichkeiten in Niedersachsen gibt es auf drei Wegen: Begehungsschein, Jagdpacht und Eigenjagd. Welcher passt, entscheidet die Zeit im Revier, nicht das Budget. Hier sehen Sie, was gerade frei ist.
Niedersachsen ist das zweitgrößte Flächenland Deutschlands und jagdlich womöglich das vielfältigste. Zwischen dem Mittelgebirge im Süden, den Sandböden und Kiefernforsten der Mitte, dem offenen Agrarland im Westen und der Elbtalaue im Osten liegen Reviere, die kaum etwas gemeinsam haben. Wer hier eine Jagdgelegenheit sucht, sucht deshalb nicht einfach ein Revier, sondern zuerst eine Landschaft, in der er jagen möchte – und das ist die Entscheidung, die alles Weitere ordnet.
Drei Wege führen ins niedersächsische Revier, und sie unterscheiden sich vor allem in Bindung und Verantwortung. Der Begehungsschein ist die schnellste und am wenigsten bindende Form: eine Jagderlaubnis für ein fremdes Revier, meist auf ein Jagdjahr befristet, ohne Verantwortung für Abschussplan und Wildschaden. Die Jagdpacht überträgt Ihnen ein Revier samt Hege, Abschussplanung und Haftung; welche Laufzeit für einen Pachtvertrag gilt und welche Voraussetzungen ein Pächter erfüllen muss, regeln Bundes- und Landesjagdrecht, und das gehört vor jeder Unterschrift geklärt. Die Eigenjagd schließlich ist Grundbesitz: Ab einer zusammenhängenden Mindestfläche, die das Landesjagdgesetz festlegt, entsteht ein Eigenjagdrevier, in dem das Jagdrecht dem Eigentümer gehört – ohne Vertrag, ohne Verlängerung, ohne Kündigung.
Der Harz ist Niedersachsens einziges echtes Mittelgebirge und jagdlich das Gegenteil vom Rest des Landes: Höhenlagen, zusammenhängende Waldflächen, Rotwild als tragende Wildart, dazu Rehwild und Schwarzwild. Die Fichtenbestände haben in den vergangenen Jahren großflächig unter Trockenheit und Borkenkäfer gelitten, und die entstandenen Freiflächen verändern die Jagd spürbar: mehr Sicht, mehr Bewegung, dafür Verjüngungsflächen, an denen Verbiss sofort auffällt. Wer hier mitjagen will, sollte Bewegungsjagden und steile Hänge nicht scheuen. Viele Reviere im Landkreis Goslar liegen in Pendelweite von Braunschweig und Hannover und sind entsprechend gefragt; wer nach Süden ausweicht, trifft auf weniger Mitbewerber.
Die Lüneburger Heide zwischen Hamburg, Hannover und der Elbe ist eine Kulturlandschaft aus Heideflächen, Kiefernforsten, Mooren und Sandäckern. Rehwild und Schwarzwild tragen hier den Abschuss, in einigen Gebieten kommt Rotwild dazu, und Truppenübungsplätze wie Naturschutzflächen prägen Zuschnitt und Zugang mancher Reviere. Die Böden sind arm, das Wild bleibt im Körpergewicht kleiner als auf den Lehmböden der Börden – wer schwere Stücke erwartet, sucht falsch; wer Ansitzjagd auf Schwarzwild in Kiefer und Mais mag, richtig. Der Landkreis Uelzen im Osten der Heide gilt als eine der Gegenden, in denen ein Begehungsschein ohne jahrelange Wartezeit erreichbar ist.
Im Süden liegen mit dem Solling und dem Weserbergland großflächige Laubwaldgebiete, die sich jagdlich klar vom Harz unterscheiden. Der Solling ist einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Deutschlands, ein klassisches Rotwildgebiet mit langer Tradition an Bewegungsjagden. Das Weserbergland daneben wechselt zwischen Waldkuppen, Wiesentälern und Ackerland und bietet dadurch Rehwild, Schwarzwild und stellenweise Rotwild auf engem Raum. Für Jägerinnen und Jäger aus dem Ruhrgebiet oder dem Raum Kassel ist diese Ecke oft schneller erreichbar als die Heide, was den Wettbewerb um freie Flächen erhöht – dafür sind die Reviere im Schnitt größer als im Umland der großen Städte.
Das Emsland im Westen ist Feldrevierland: Grünland, Mais und Getreide, dazwischen Moor- und Waldinseln und ein dichtes Netz kleiner Gräben. Niederwild – Hase, Fasan, Ente – spielt hier eine größere Rolle als fast überall sonst in Niedersachsen, und Schwarzwild hat in den Maisflächen deutlich zugelegt. Wer Gesellschaftsjagden auf Niederwild und intensive Schwarzwildbejagung sucht, ist im Landkreis Emsland und in der benachbarten Grafschaft Bentheim richtig. Die Flächen sind meist in Jagdgenossenschaften organisiert, der Kontakt läuft also über die örtlichen Landwirte: Wer Wildschadensverhütung ernst nimmt und beim Maisschutz mit anpackt, hat es leichter als jemand, der nur zum Ansitz erscheint.
Das Wendland im Nordosten ist die am dünnsten besiedelte Ecke des Landes, und jagdlich merkt man das sofort: große Reviere, wenig Störung, ein enger Wechsel aus Wald und Feld und mit der Elbtalaue ein Auengebiet mit Rotwild, Schwarzwild und Gänsen. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg liegt weit von jedem Ballungsraum, was die Anfahrt lang und die Konkurrenz klein macht: Wer bereit ist, für ein ganzes Wochenende statt für einen Abendansitz zu fahren, findet hier Möglichkeiten, die es im Umland von Hannover nicht gibt. Deiche, Biberdämme und Naturschutzauflagen gehören dazu und sollten vor einer Zusage angesprochen sein.
Der größte Teil aller Begehungsscheine und ein guter Teil der Pachten wechselt hier den Inhaber, ohne dass je etwas ausgeschrieben wird. Der erste Kontakt läuft über Hegering und Kreisjägerschaft, organisiert im Dachverband Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., über den Schießstand und über die Jagdgenossenschaften, in denen die Grundeigentümer über die Fläche entscheiden. Wer sich dort zeigt und offen sagt, was er sucht, erfährt früher von einer freien Fläche als jede Anzeige es melden könnte.
Daneben hilft ein sichtbares Gesuch: Ort, ein realistischer Umkreis, Ihre Jagdscheinjahre, die Wildarten, die Sie interessieren, und ein ehrlicher Satz dazu, wie oft Sie tatsächlich ins Revier kämen. Klären Sie vor der Zusage, was neben dem Entgelt erwartet wird – Pflichtstunden, Hegebeitrag, Beteiligung am Wildschaden – und ziehen Sie den Radius größer, als es sich zunächst anfühlt. In einem Land von der Größe Niedersachsens erschließt eine halbe Stunde mehr Fahrzeit regelmäßig mehr Reviere als jede weitere Verfeinerung der Suche.
Bundesweit: Alle Jagdgelegenheiten in Deutschland.
Ausführlicher im Ratgeber: Begehungsschein: der Einstieg für Jungjäger · Wildschadensersatz: wofür Pächter haften